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Hitler im Fokus der Geschichte

 

Brunfthai Pelota




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Die deutsche Vergangenheit ist nun wieder auf der Agenda
politologisch-sozialkritischer Betrachtungen.
Allerdings, so ist in letzter Zeit zu beobachten, verliert sich der
Diskurs gerne in der epigonenhaften Auseinandersetzung mit der
Befindlichkeit der im Fokus stehenden Protagonisten. Zeit für eine
tiefergehende Analyse.


Röntgenaufnahme Hitlers aus dem Jahre 1899. Links neben im seine Mutter,
einen Wollpulli strickend


Der anerkannte Historiker Hanns-Joachim Nesthafer setzt sich nun schon
seit 70 Jahren mit der dunklen Seite deutscher Geschichte auseinander.
Seine Betrachtungsweise schafft einen weit intensiveren Eindruck der
Situation der letzten Tage des "Dritten Reiches".


Adolf Hitler als Bruno Ganz: eine Paraderolle

Hier einige Auszüge aus seinem Pamphlet "Quo vadis cerebrellum. Die
Minute vor der Stunde Null." aus dem Jahre 1983:

"Nichtswissend sind wir was die letzten Augenblicke angeht. Eines ist
jedoch sicher. Hitler war kein großer Klogänger. Während seiner Kindheit
in Braunau gab es eine miserable sanitäre Situation im Elternhause. Oft
wurde der junge Adolf von seinem Bruder an der Notdurft gehindert. Bei
der Kriegsmusterung im Jahre 1914 diagnostizierte der Stabsarzt eine
hämoglobine Sublimationsdysfunktion des Dickdarmes. Eine Störung, die
sich während des Ersten Weltkrieges verstärken sollte und im Anschluß
daran chronisch wurde.
Hier liegt einer der Schlüssel zu dem Verständnis des Dilemmas, welches
von heutigen Historikern negiert, ja ich möchte sagen, durchaus auch
verdreht wird, und einer herorisierenden Darstellungsweise Tür und Tor
öffnet.
Analysiert man die letzte Minute vor dem Fall Berlins so gewinnt man die
Einsicht in die Befindlichkeit eines ganzen Volkes.
Die Quellenlage ist dünn, doch es gelingt aufgrund der Verknüpfung
vieler kleiner Bruchstücke ein umfassendes Bild der Situation gleich
einem Puzzle zusammenzusetzen.
Hitler begab sich, trotz seiner kindheitsbedingten Abneigung, auf den
ihm verhaßten Ort. Niemand hinderte ihn. Allein dies ein Zeichen seiner
Machtfülle, welche, angefangen mit dem Röhm-Putsch über die Olympiade
1936 bis hin zur Einweihung der "Josef-Goebbels Schule für Rhetorik" in
Hoyerswerda 1944, seinen Aufstieg begleitete.


Miniaturansicht des Führerbunkers. Deutlich zu erkennen ist die
Selbstschußanlage am Eingang


Da der Führerbunker vollklimatisiert war ahnte niemand, was in den
Gedärmen dieses Menschen vorging, als der letzte Akt der Tragödie
begann. Spätere forensische Analysen ergaben ein diffuses Bild. Offenbar
ist eine umfassend-ausgewogene Ernährung auch dem Reichskanzler in den
letzten Stunden verwehrt gewesen. Eine Analogie, die wir ohne Bedenken
auf die Gesamtsituation im Reich übertragen können. Auch dies eine
Verknüpfung, die zahlreiche meiner Kollegen schändlicherweise vergessen.
Hubert Mumppsmann spricht beispielsweise in "Schuld und Sühne der
braunen Kumpanen" von "Hunger im Volke während die führende Kaste es
noch mal so richtig krachen läßt". Dies sei hiermit widerlegt.


Postkarte Hitlers an seinen Bruder Johannes-Nepomuk nach dem Fall
Stalingrads


Doch zurück zu den Ereignissen im Führerbunker. Während allgemein
kolportiert wird, Hitler habe sich "ohne zögern die Waffe an die Schläfe
gehalten" (BILD 15.5.1945) muß ich dieser Ansicht energisch
entgegentreten. Abwasserproben ergeben ein etwas differenzierteres Bild.
Zyankalispuren deuten auf eine aufgelöste Kapsel hin. Untersuchungen zur
Führertoilette besagen, daß nur der Führer selbst Zugang zu derselben
hatte und davon auszugehen ist, daß er alleine die Spülung im Griff
hatte. (Auch hier sehen wir den Absolutheitsanspruch, den Hitler Zeit
seines Lebens verfolgte und der ihn bis in den Tod begleitete.) Jene
aufgelöste Giftkapsel läßt in uns die Erkenntis reifen, daß keineswegs
der lineare Weg in den Freitod gewählt wurde, den uns viele
populärwissenschaftliche Publikationen suggerieren wollen, sondern daß
hier einer mit dem Tod gehadert hat. Eine Haltung, die seinerzeit weit
verbreitet war, vor allem in Österreich und insbesondere in Wien, der
Metropole des einstigen Vielvölkerstaates. Hier am Burgtheater verfolgte
der einstige Rekrut nach dem Ersten Welkrieg so manche Regiearbeit
Reinhardts und ergötzte sich am Duktus eines Karl Krauss. Vielleicht ist
ihm in diesen letzten Sekunden die Zeile "Doch wenn ich schon scheiden
muß von dieser Welt, so trinke ich nicht den Schierlingsbecher den
feigen. Nur der Dampf der Kanonen vermag mir den Atem zu nehmen." aus
Schillers Ur-Wallenstein durch den Kopf gegangen. So mag uns die
Tatsache nicht erstaunen, daß er doch zur Waffe griff, um sich selbst zu
richten. Wie viele seiner Generation verabscheute er Messer und Dolche.
Nicht umsonst ist der Begriff "Dolchstoßlegende" negativ konnotiert.


Spontan am Obersalzberg. Hitler von seiner komischen Seite

Hitler hatte immer einen geladenen Revolver bei sich, auch das eine alte
Rekruten-Tradition, die ihn mit tausenden gleichgesinnter aus dem Volke
einte. Den Schuß in den Kopf, in diesem Falle, das über den Gaumen in
den Mundraum in den Schädelknochen eindringende Projektil ist seit der
Kaiserzeit Audruck des selbstbestimmten Suizides höherer Offiziere. In
"Mein Kampf" notierte Hitler schon 1923 "Voll Bewunderung beneideten wir
die Standhaftigkeit, mit der unsere Offiziere in den Tod gingen, während
der Franzose von jenseits des Schützengrabens uns die Schrapnells um die
Ohren blies."
Im Angesicht des Todes war sich der Führer bewußt hier eine historische
Entscheidung, seine wohl letzte, treffen zu müssen und so wundert es
nicht, daß er nach über dreißig Jahren nochmals zur Waffe griff.
Hier zeigt sich einmal mehr, daß Adolf Hitler einer aus dem Volke war,
ein sterblicher, ein einfacher, ein irrender Mensch und nicht das
Monster zu dem meine Zeitgenossen ihn hochstilisieren wollen."

So weit die Analysen Hanns-Joachim Nesthafers.
   

 
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