Lyrik2000Klo ist ein Wort für den Abort

Vegetarier

 

Fatze




Ich habe gestern mal wieder so einen Bericht über Tiertransporte im Fernsehen
gesehen. Danach faßte ich, mal wieder, den Beschluß ab sofort Vegetarier zu
werden. Für solche Grausamkeiten wollte ich nicht mehr die Verantwortung
übernehmen. Damit war jetzt Schluß.

Das ging dann eine Woche gut, bis ich zum
Essen eingeladen wurde. Es gab Lammbraten, wurde mir angekündigt. Und schon war
er wieder da, der Gewissenskonflikt. Ich liebe Lammbraten.
Während der Fahrt zu meinem Gastgeber saß ein Teufelchen auf meiner linken und
ein Engelchen auf meiner rechten Schulter. Sie stritten heftig miteinander,
aber keiner konnte argumentativ die Oberhand gewinnen. Beim Gedanken an den
Braten lief mir schon das Wasser im Munde zusammen. Fünf Minuten bevor ich mein
Ziel erreichte schmiß ich den Engel von meiner rechten Schulter, denn ich hatte
das rettende Argument für mein Teufelchen gefunden:
Kann man es sich heute eigentlich noch leisten, Vegetarier zu sein? Ich meine
vom gesellschaftlichen Standpunkt aus? So zu sagen aus Verantwortung gegenüber
den Arbeitnehmern in der fleischverarbeitenden Industrie. Bei den heutigen
Arbeitslosenzahlen kann man nicht einfach leichtfertig so viele Arbeitsplätze
gefährden. Wenn man ein soziales Gewissen hat. Da heißt es einfach Mensch oder
Tier, da gilt das Recht des Stärkeren, in solch harten Zeiten.
Man stelle sich vor, zwei drittel der Deutschen wären Vegetarier. Verheerend.
Es würden allein in München hunderte, Tausende arbeitslos. Was das den
Steuerzahler kosten würde. Und dann die Folgekosten durch die Umschulung dieser
Arbeitslosen zu Ökobauern, Naturkost- und Gemüsehändlern! Wer soll das alles
zahlen, frage ich Sie?

An der Fleischindustrie hängen ja aber indirekt auch noch andere Jobs. Die
Firmen, die die Fleischgewürze, die Fleischklopfer, die Steakmesser und vieles
mehr herstellen. Eine solche einfache, gedankenlose Entscheidung würde
unüberschaubare Folgen nach sich ziehen. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht
vereinbaren.
Aber BSE? Man muß für die Gesellschaft Risiken eingehen, auch letale wie ich
meine. Und wer weiß, mit der Genforschung ist sicher bald ein Mittel gegen
diesen Wahnsinn gefunden. Und wir können am Ende unseres Lebens sagen: wir
haben Arbeitsplätze, Existenzen gerettet damals, durch unseren selbstlosen
Einsatz.

Guten Appetit!
   

 
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