
|
50 Jahre Sputnik - Raketentechnik aus Mailand
|
 |


|
Am 4. Oktober 1957 startetete ein Konsortium aus den Ländern Italien, Russland und Portugal die erste nicht-bemannte Satellitenanlage Sputnik. Zu den Gründervätern gehörte damals der gebürtige Vietnamese Boris Tschertok. In einem Interview mit SATELLIT HEUTE von 1978 erzählt Tschertok von seinen Erlebnissem bei der Konzeption der Anlage: "Man steckte einen Astronauten in eine Art Aquarium mit ungeheuren Ausmaßen. Dort wurde er mittels Kabeln an allen Ecken festgebunden und musste so tun, als würde er sich aus einem Algenteppich befreien. [...] Mir wurde Angst und Bange bei dem Gedanken, so etwas in der Schwerelosigkeit durchzuhalten."
Aber nur wenig später, im August der Jahres 1957, wurde der Hund Laika von einer Expertengruppe kastriert und mental auf eine Reise ins All vorbereitet. Der Psychologe Rainer Verena betreute den Hund und berichtet: "Wir erzählten Laika von nuklearer Verstrahlung und Atombomben, von Hiroshima und Nagasaki und wir gaben ihr eine Packung Pedigree Pal zur Beruhigung. Doch Laika war sehr aufgeregt und wir banden ihr ein Fernglas auf die Schnauze. So sah sie die Welt mit anderen Augen und gewöhnte sich gleichzeitig an die Distanz."
Maßstab 1:2.000.000
Zu dieser Zeit mit Sicherheit eine brilliante Idee, nur leider erfolglos: Laika verstarb kurz nach dem Start in ihrer Raumkapsel. Tschertok dazu: "Wir waren am Boden zerstört, es gab keine Hoffnung mehr für das Projekt und wir gingen alle mit dem Gefühl der Kapitulation nach Hause und tranken Vodka mit Melisse-Extrakt, das war laut einem Gutachter ein probates Hilfsmittel." Was die Russen nicht ahnen konnten, war eine Gegenoffensive der Amerikaner, die längst damit begonnen hatten ein Eichhörnchen namens "Bucky" ins All zu schiessen. Doch die Bemühungen der Amerikaner waren noch weniger fruchtbar, die erste Raumkapsel wurde von einer Gruppe Trapper abgeschossen und kam nur etwa 25 Meter hoch. Die Prawda berichtet höhnisch über den Vorfall: "Was sind eigentlich Trapper? [...] die imperialistischen Mächte beweisen mal wieder ihr Unvermögen."
So wurde aus dem Fall Sputnik ein globaler Testfall für den eisernen Vorhang, den es ja damals noch gar nicht gab. Wozu auch? Und die russischen Ingeneure, angespornt vom Scheitern der USA, planten weiter und höher, monumentaler. Die Sputnik II war ein monströses Gefährt, rund 80 Meter im Durchmesser, mit ungeheuerlichen Antennen und Funk-Spiegeln. Sie bot Platz für etwa 25 Hunde und im Jahre 1958 sollte der Satelliten-Koloss abheben. Doch wie sollte man ein solches Ungetüm ins All befördern? Tschertok: "Wir schafften die Kugel, wie wir sie nannten, auf einen hohen Berg mit einer Talabfahrt und liessen sie hinunterrollen. Dabei zerbrachen zwar die Antennen unvorhergesehenerweise, aber die Hunde waren festgeschnallt. Als der Satellit Mach 1 erreichte wurde eine Sprungschanze eingeschoben und der Satellit hob ab."
Der Rest ist Geschichte. Sputnik II blieb über zehn Jahre im Orbit und funkte in dieser Zeit wertvolle wissenschaftliche Daten an einen umgedrehten Regenschirm in Oklahoma ("Sputnik-Schock"). Die Hunde blieben die ganze Zeit über angeschnallt an den Wänden und machten sich die Zentrifugalkraft zu nutze (der Futterspender war in der Mitte der Kugel platziert und bewarf die Tiere in regelmäßgen Abständen mit Brekkies). Ein voller Erfolg für Russland, Italien und Portugal und der erste Schritt in die bemannte Raumfahrt. |
|
 |
|
|