Lyrik2000Wurstmanifeste des Jura

Die Brieffreundschaft von George de la baguette und Antoinette de le me de

 

Dotzehotze




Werte Antoinette,

Jahre voller Hoffnung und Enttäuschung sind verstrichen, ehe er mich
erreichte: Dein Brief. Welch Freude verspürte ich, als ich den Briefkasten
meines Ordenadors öffnete und die Buchstaben, des auf Seidenpapiers
geschriebenen Letters hinunterschluckte, wie eine leckere
Kartoffelkürbissuppe von Knorr oder eine Buchstabensuppe von Knorr oder
auch. Von Dir zu hören erfüllte mich mit einem Glücksgefühl ohnegleichen.
Ja, ich wollte Bäume ausreissen und sie auf arme Schulkinder werfen, so
glücklich war ich. Nun, da ich wieder in diesem unserem Lande verweile,
nachdem ich Monate im fernen Spanien zubrachte, erlaubt es mir mein
Stundenplan, zu antworten. Welch Narr bin ich doch. War ich selber nicht in
einer Situation, in die ich andere nie hineinbringen wollte? Befand ich mich
nicht selber in einer Zeit des Wartens, des Frusts, der Depression, der
Trauer, der Angst, der Unterdrückung und der Nächstenliebe? Ja, ich weiss,
es ist spät, doch ist es auch zu spät?

Nein, gewiss kann ich Dir Folgendes
mitteilen: Eine Korrespondenz, die da aus einer solchen Freundschaft
resultiert, kennt keine Zeit. Sekunden werden zu Minuten, Minuten werden zu
Stunden, Stunden werden zu Tagen, Tage werden zu Wochen, Wochen werden zu
Monaten, Monate werden zu Jahren, Jahre werden zu Dekaden, Dekaden werden zu
Zentenarien, Zentenarien werden zu Millennien und Millennien werden zu
kleinen Ameisen, die sich gegenseitig bei der Arbeit helfen. Es ist, als ob
Zeit sich zwar abstrahiert, aber dennoch greifbar wird.
Konkretisierungsversuche, wie zum Beispiel halt verschiedene Zeitmetren,
verblassen zunehmend, und es bleibt eine unsichtbare, aber dennoch spürbare
Substanz. Aus tiefster Seele und in vollem Besitz meiner Geisteskräfte
übermittle ich Dir diesen Satz, den mir einst ein guter Freund und Kollege,
Balthasar Schnitzlinger, mit auf den Weg gegeben hatte: Was ist Warten, wenn
der Moment, in dem das Warten endet, zugleich ein Moment vollendeten Glücks
ist. Nun, liebste Antoinette, ich weiss Du bist es leid zu warten, doch
vielleicht gibt Dir dieser Satz, die Kraft, weitere Jahre zu warten, denn
diesen Brief wirst Du nie bekommen, Du Sau.

Dein George
   

 
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